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Willkommen im Johanna-Stahl-Zentrum

Im dreißigsten Jahr seines Bestehens präsentiert sich das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit vielseitigen Aktivitäten. Das ehemalige Dokumentationszentrum trägt seit 2011 den Namen der Journalistin Dr. Johanna Stahl.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

Am Faschingsdienstag, 13.02.2018, ist das Zentrum von 9 bis 12:30 Uhr geöffnet.

Nach der Shoa - Jüdisches Leben in Bayern 1945-1950. Vortrag und Buchpräsentation

Erst seit wenigen Jahren beschäftigt sich die Forschung intensiver mit der jüdischen Nachkriegsgeschichte. Zu einem Vortrag sowie zur Buchpräsentation "Kontinuität nach der Katastrophe? Die jüdische Gemeinde in Würzburg 1945-1992" am 23. Mai 2017, 19:30 h laden wir Sie herzlich ein.

Von den über 500.000 Juden, die man vor der Shoa in Deutschland zählte, blieb nur ein winziger Rest von etwa 15.000 Menschen übrig. Nach 1945 wanderten etwa 180.000 osteuropäische Juden zu, die im sowjetischen Exil, im Untergrund, bei den Partisanen, aber auch in Konzentrations- und Vernichtungslagern überlebt hatten.

So kam es zwischen 1945 und 1950 in Deutschland zu einer Wiedergeburt des fast vollständig vernichteten jüdischen Lebens. Dieses fand größtenteils in den zahlreichen Displaced Persons (DP) Camps statt. In vielen Städten schlossen sich die osteuropäischen Juden aber auch den neugegründeten deutsch-jüdischen Gemeinden an. Während die DP-Camps zum Ende der Dekade aufgelöst wurden – die Bewohner emigrierten nach Israel oder Übersee – , trugen die verbleibenden DPs maßgeblich zum Aufbau des jüdischen Lebens im „Land der Täter“  bei.

Die meisten jüdischen DPs waren in Bayern untergebracht – etwa in den Camps Pocking, Föhrenwald, Landsberg, Leipheim, Bamberg, Windsheim oder Feldafing, wo jeweils mehrere tausend Menschen eine temporäre Heimat fanden. Einige lebten in landwirtschaftlichen Siedlungen, Kibbuzim, wo sie sich auf die Ausreise nach Palästina oder Israel vorbereiteten. Ebenso kam es in einigen bayerischen Städten zu Gründungen von jüdischen DP-Gemeinden, die sich jedoch nach einigen Jahren entweder auflösten oder mit den deutsch-jüdischen Gemeinschaften fusionierten.

Jim Tobias vom Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts wird sich dieser Geschichte in seinem Vortrag widmen und damit den Hintergrund ausleuchten für die neue Publikation des Johanna-Stahl-Zentrumsexterner Link und seiner Buchreihe. Marie-Thérèse Reinhard hat darin die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Würzburg ab 1945 erforscht, die sich angesichts der relativ geringen Zahl von DPs deutlich von der in den übrigen bayerischen Regierungsbezirken unterscheidet. Sie stellt die Entwicklung der einzigen, kleinen Gemeinde in Unterfranken zwischen Katastrophe, Kontinuität und neuer Selbstbehauptung dar. Zu der Doppelpräsentation sind Sie herzlich eingeladen.