zur Hauptnavigation springenzum Inhalt springen

Willkommen

Mehr als dreißig Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit vielseitigen Aktivitäten. Das ehemalige Dokumentationszentrum trägt seit 2011 den Namen der Journalistin Dr. Johanna Stahl.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

Von Würzburg nach Shanghai. Der Würzburger Arzt und Schriftsteller Max Mohr

Max Mohr war in den 1920er Jahren einer der meist gespielten deutschen Dramatiker, geriet aber später in Vergessenheit. Der bedeutende Würzburger Schriftsteller wanderte nach Shanghai aus und starb bereits 1937. Vortrag von Dr. Hans-Peter Baum am 10.07.2018, 19 Uhr im JSZ

Max Mohr (1891-1937) wurde in Würzburg als Sohn eines jüdischen Malzfabrikanten geboren, absolvierte hier das Gymnasium und die Militärzeit als Einjährig-Freiwilliger und ging dann zum Studium der Medizin nach München. Er bereiste in den Semesterferien mehrfach den Vorderen Orient; auch war er ein begeisterter und ambitionierter Bergsteiger. Im Ersten Weltkrieg schloss er sein Studium ab, wurde als Soldat mehrfach verwundet und hoch dekoriert.

Nach kurzer Tätigkeit als niedergelassener Arzt in München gab er die Medizin auf und wandte sich der Schriftstellerei zu. Mit Käthe Westphal, die er 1920 geheiratet hatte, erwarb er einen Bauernhof bei Rottach-Egern. Seine ersten Dramen blieben unbeachtet, aber 1922 hatte er mit Improvisationen im Juni einen sensationellen Erfolg; das Stück wurde allein am Münchener Residenztheater 50mal aufgeführt und von vielen anderen Theatern übernommen. Er wurde zwar schnell berühmt, konnte aber wegen der Inflation von 1923/24 von den Tantiemen nicht leben. Einige wenig erfolgreiche Stücke folgten, bis er 1925 mit Ramper einen weiteren „Hit“ landete, der sogar mit Paul Wegener in der Hauptrolle verfilmt wurde. 1927 wandte er sich der Romanform zu und konnte mit Venus in den Fischen wieder einen bemerkenswerten Coup platzieren.

Trotz weiteren Erfolgs mit Dramen und Romanen fühlte er immer mehr, dass diese seinen selbst gesetzten künstlerischen Standards nicht entsprachen. Seit 1932 wurde der Antisemitismus in Deutschland zudem immer bedrohlicher, und so entschloss Mohr sich zur Auswanderung, zugleich zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit als Arzt. Mithilfe familiärer Beziehungen seiner Frau konnte er sich 1934 in Shanghai als praktischer Arzt etablieren; er hoffte, sie und die Tochter Eva innerhalb von 2 – 3 Jahren nachholen zu können. Doch obwohl er in Shanghai trotz vieler Widrigkeiten recht erfolgreich praktizierte, gelang das nicht. 1937 starb er 46jährig plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt.

Schnell geriet Mohr als Schriftsteller und Jude seit den 1930er Jahren in Vergessenheit. Erst seit den 1990er Jahren erinnert man sich wieder an ihn. Dr. Hans-Peter Baum, der langjährige Leiter des Dokumentationszentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken, hat sich intensiver mit seiner Biographie beschäftigt und dazu auch publiziert. Er wird das bewegte und fotografisch gut dokumentierte Leben Mohrs vorstellen und die kleine Reihe von drei biographischen Vorträgen im Johanna-Stahl-Zentrum 2018 eröffnen.

Dienstag, 10. Juli 2018, 19 Uhr, Johanna-Stahl-Zentrum. Der Eintritt ist frei.