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Willkommen

Das Johanna-Stahl-Zentrum dient als regionales Kompetenzzentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken. Sein Themengebiet sind 900 Jahre jüdische Geschichte in der Region. Aktuell befasst es sich besonders mit der Erinnerungskultur für die jüdischen NS-Opfer. Auch die Fachbibliothek des Zentrums zeichnet sich durch ihr Alleinstellungsmerkmal in der Region aus.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind das Zentrum und die Ausstellung "Der Spurenfinder" geschlossen. Ausstellungen und Veranstaltungen werden bis auf Weiteres nicht stattfinden. Die Mitarbeiterinnen arbeiten zum Teil im Home-Office.

Per mail ist das Team des Zentrums jedoch jederzeit zu erreichen. Bitte verwenden Sie dafür die persönlichen mail-Adressen (s. Team), da wir von außen nicht auf das jsz-Postfach zugreifen können. Bei Bedarf rufen wir gerne zurück.

Die Eröffnung des "DenkOrts Deportationen 1941 - 1944" am 21. April 2020 ist abgesagt. 

Das Johanna-Stahl-Zentrum ist über Pessach (09.-16. April 2020) geschlossen.

Die "Hepp-Hepp"-Unruhen - Vortrag von Prof. Laux am 24.10.

In diesem Jahr jährt sich der erste Pogrom gegen Juden im 19. Jahrhundert zum 200. Mal. Unter dem Hetzruf „Hepp-Hepp“ wurden Häuser geplündert und ihre jüdischen Bewohner gewaltsam durch die Straßen und vor die Stadt getrieben. Das Ganze fand im Sommer 1819 in Würzburg statt und strahlte von dort auf andere Städte aus. Der Staat fühlte sich herausgefordert.

Dass diese Vorgänge in Würzburg begannen und dass dies wenige Jahre nach der bayerischen Herrschaftsübernahme in Unterfranken geschah, unterlag keiner Zwangsläufigkeit, war aber auch kein Zufall: Antijüdische Ressentiments bestanden im Grunde überall im damaligen Deutschland. Genährt wurden sie von überkommenen Feindvorstellungen, die wiederum in sozialer Erfahrung und religiösem Eifer gründeten. In Würzburg, wo Juden endgültig seit dem 17. Jahrhundert das Wohnrecht in der Stadt verwehrt gewesen war, setzte die erneute Niederlassung von Juden mit Moses Hirsch aus Gaukönigshofen (1740-1811) und seiner Familie im Jahr 1803 ein. Zu Konflikten vor Ort kam es aber erst, als der bayerische Staat nach der Einführung des „Judenedikts“ mit seinem „Matrikelparagraphen“ 1817 die Wiederansiedlung von Juden in etwas erweitertem Rahmen zuließ.

In der Folge entluden sich die aufgestauten Ressentiments gegen die gerade einmal 34 jüdischen „Seelen“ in der Stadt. Dies geschah ausgerechnet anlässlich des ersten bayerischen Landtags von 1819, auf dem der bayerische König über die Verbesserung der Rechtsstellung von Juden verhandeln ließ. Durch die gewalttätigen Vorgänge in Würzburg sah sich der in der Bevölkerung alles andere als beliebte bayerische Staat in seinen Hoheitsrechten beeinträchtigt und vor aller Öffentlichkeit bloßgestellt.

Vor diesem Hintergrund verbindet der Vortrag das christlich-jüdische Verhältnis im frühen 19. Jahrhundert mit wechselseitigen Problemen von Staat und Gesellschaft. Dabei wird die lokale und regionale Perspektive durch übergreifende Beobachtungen zur deutschen Geschichte bis etwa zur Reichsgründung von 1870/1871 erweitert.

Vortrag von Prof. Dr. Stephan Laux (Trier): Do., 24. Okt. 2019, 19:30 Uhr, David-Schuster-Saal, Shalom Europa
„Die „Hepp-Hepp-Unruhen“ von 1819 – Antisemitismus und Staatsfeindlichkeit vor 200 Jahren“

Sie sind herzlich eingeladen!