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Willkommen

Mehr als dreißig Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit vielseitigen Aktivitäten. Das ehemalige Dokumentationszentrum trägt seit 2011 den Namen der Journalistin Dr. Johanna Stahl.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

Der Spurenfinder - Ausstellung ab 5. November 2019

Er war eine schillernde Figur, die das Leben in seinen Extremen erfahren hat: intellektuell und doch in der Schule gescheitert, chronisch krank und ein zäher Kämpfer, ein Sinnsucher und sensibler Spurenfinder – und der letzte Jude von Kitzingen: Michael Schneeberger. Das Johanna-Stahl-Zentrum stellt diesen einmaligen jüdischen Heimatforscher inmitten seines Werkes vor.

Der Spurenfinder - Michael Schneeberger und das jüdische Erbe in Bayern. Ausstellung vom 05. November 2019 bis 19. April 2020

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Früh schon spürte Schneeberger die Verlogenheit einer Gesellschaft, die nach der Verfolgung und Ermordung ihrer Juden schnell zur Tagesordnung überging. Er wollte es nicht zulassen, dass ihre Spuren endgültig ausgelöscht wurden. Und fand Mitstreiter, für die er zum Lehrer und Mahner wurde.

Seinen Weg zu finden brauchte viele Jahre. Michael Schneeberger wurde Jude und machte das fränkische und bayerische Judentum zu seinem Lebensinhalt. Er forschte zu jüdischen Familien und Gemeinden in ganz Bayern, mit einem regionalen Schwerpunkt in Franken. Vielen Familien half er, ihre Wurzeln zu entdecken. Die Erinnerung an die Kitzinger Gemeinde und die auf dem jüdischen Friedhof in Rödelsee bestatteten Familien lag ihm besonders am Herzen.

Mit mehr als 120 Besuchern wurde die Ausstellung am 04. November eröffnet. Sie entstand in Kooperation mit dem Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen.

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Die Ausstellung möchte Michael Schneeberger, sein Leben, sein Wirken und seine umfangreiche Forschungsarbeit vorstellen. Dazu gehören auch Teile der legendären Ausstellung zum Friedhof in Rödelsee, die er ab 1990 zusammen mit Christian Reuther verwirklichte, der nun das Team des Johanna-Stahl-Zentrums unterstützte. Schwerpunktthemen sind daneben die bemerkenswerte Biographie Schneebergers mit einer Installation seines Arbeitsplatzes sowie Beispiele aus seinen Forschungen zu jüdischen Familien und jüdischen Gemeinden in Bayern.

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Sein Hauptaugenmerk galt zeitlebens den jüdischen Familien in Kitzingen. Er besuchte die, die sich ins Ausland hatten retten können, und erforschte die Lebensläufe all derjenigen, die von der NS-Verfolgung betroffen waren. Hieraus ging sein umfangreiches Gedenkbuch zur Kitzinger Gemeinde zurück.

Schneeberger steht in ganz besonderer Weise für die vielen Heimatforscher, die sich in Unterfranken mit der jüdischen Geschichte beschäftigen. Obwohl Autodidakt, hinterließ er eine beeindruckende Fülle an sorgsam und aufwändig recherchiertem Material. Es ist sein Lebenswerk - und sein Vermächtnis. In diesem Jahr wäre er 70 Jahre alt geworden. Eine erste Biographie hat das Johanna-Stahl-Zentrum 2015/16 veröffentlicht, das heute die reiche Sammlung Schneebergers betreut.

Doch nicht nur sein Werk legt Zeugnis von ihm ab. Vier Weggefährten und seine Schwester Brigitte wurden für die Ausstellung in Interviews befragt. Ihre Erinnerungen werden auf der Videostation im Ausstellungsraum gezeigt.

Teaser-Foto: Michael Schneeberger auf dem jüdischen Friedhof Ermreuth © JSZ, Foto: Christian Reuther, 2007

Fotos auf dieser Seite: Rotraud Ries

Fotos der Ausstellungseröffnung