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Willkommen

Das Johanna-Stahl-Zentrum dient als regionales Kompetenzzentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken. Sein Themengebiet sind 900 Jahre jüdische Geschichte in der Region. Aktuell befasst es sich besonders mit der Erinnerungskultur für die jüdischen NS-Opfer. Auch die Fachbibliothek des Zentrums zeichnet sich durch ihr Alleinstellungsmerkmal in der Region aus.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind das Zentrum und die Ausstellung "Der Spurenfinder" geschlossen. Ausstellungen und Veranstaltungen werden bis auf Weiteres nicht stattfinden. Die Mitarbeiterinnen arbeiten zum Teil im Home-Office.

Per mail ist das Team des Zentrums jedoch jederzeit zu erreichen. Bitte verwenden Sie dafür die persönlichen mail-Adressen (s. Team), da wir von außen nicht auf das jsz-Postfach zugreifen können. Bei Bedarf rufen wir gerne zurück.

Die Eröffnung des "DenkOrts Deportationen 1941 - 1944" am 21. April 2020 ist abgesagt. 

Das Johanna-Stahl-Zentrum ist über Pessach (09.-16. April 2020) geschlossen.

Amichais Freundin und seine Romanfigur im Dialog. Lesung

Ihr Schicksal hätte nicht unterschiedlicher sein können: Ludwig Pfeuffer wanderte 1936 mit seiner Familie ins britische Mandatsgebiet Palästina aus. Seine Freundin der Kindheit, Ruth Hanover hingegen strandete alleine in Amsterdam, von wo sie im Sommer 1943 ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und sofort ermordet wurde.

Im Mai 2018 jährt sich ihr Tod zum 75. Mal (siehe ihre Biographieexterner Link auf der Würzburger Stolperstein-Seite).

Als Beitrag zur diesjährigen Veranstaltungsreihe "Würzburg liest ein Buch"externer Link haben Dr. Rotraud Ries vom Johanna-Stahl-Zentrum sowie Ingrid Sontag und Elke Wagner vom AK Stolpersteine eine Lesung erstellt. Sie wird von ihnen und weiteren Mitgliedern und Mitarbeitern vorgetragen und durch Tatjana Masurova pianistisch begleitet.

Ruth, genannt „kleine Ruth“, weil sie eine ältere Stiefschwester mit dem gleichen Namen hatte, kommt in der Lesung dreifach zu Wort. In seinem Roman „Nicht von hier, nicht von jetzt“ hat Jehuda Amichai eine Figur Ruth Mannheim konstruiert, an die der Ich-Erzähler sich erinnert, dem sie erscheint und mit der er spricht. Er ist nicht zuletzt in seine Geburtsstadt Weinburg gekommen, um für ihren Tod Rache zu üben. Doch das ist nicht so einfach.

Ihr Schicksal gestaltet er literarisch so, dass sie zu seinem persönlichen Opfer der Shoa, zu seiner Anne Frank wird. Sie ist nicht identisch mit seiner realen Freundin Ruth Hanover. Zum anderen hat Amichai verschiedentlich in Interviews über die Freundin seiner Kindheit und sein Erinnern an sie gesprochen. Und schließlich kommt Ruth Hanover selber zu Wort. Von ihr sind Postkarten und Briefe aus den Jahren 1939 bis 1941 erhalten, als sie in Amsterdam lebte und an ihre Familie schrieb. Denn ihre Angehörigen konnten alle auswandern.

Präsentiert wird von den Lesenden ein Text, der aus Passagen des Romans und aus den Briefen besteht, verbunden und erläutert durch Kommentare. Fotos und die Musik unterstreichen den Text.

Ludwig Pfeuffer (Jehuda Amichai) und Ruth Hanover – eine Kinderfreundschaft mit literarischem Nachhall. Lesung mit Musik

unter Beteiligung von Riccardo Altieri, Annika Fleck, Lucas Kaufmann, Tatjana Masurova, Julia Moaca, Daniel Osthoff, Rotraud Ries, Ingrid Sontag, Michael Stolz und Elke Wagner

Konzept und Kommentare: Rotraud Ries, Textauswahl: Rotraud Ries, Ingrid Sontag, Elke Wagner
Musik: Tatjana Masurova

Montag, 23.04.2018, 20 Uhr, Theater am Neunerplatz, Adelgundenweg 2, 97082 Würzburg

Eintritt 10 € / ermäßigt 5 €, Reservierung unter 0931-415443

Bildnachweis: Ludwig, Ruth und weitere Kinder, um 1930 (c) Hana Amichai