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Willkommen

Mehr als dreißig Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit vielseitigen Aktivitäten. Das ehemalige Dokumentationszentrum trägt seit 2011 den Namen der Journalistin Dr. Johanna Stahl.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

Das Zentrum ist wegen der jüdischen Feiertage am 30.09./01.10., 09.10., 14./15.10. sowie am 21./22.10. geschlossen.

Gedenken und Erinnern an den Holocaust in Unterfranken, Vortrag

Mit biographischer Erinnerungskultur hat das Johanna-Stahl-Zentrum sein Programm in diesem Jahr begonnen. In einem Vortrag von Dr. Rotraud Ries am 10.04.2019, 19:30 Uhr soll es nun um einen Überblick über die Erinnerungskultur in der Region seit 1945 gehen.

Das Gedenken an den Holocaust in Deutschland teilt man in verschiedene Phasen ein. Unmittelbar nach dem Krieg waren es vor allem die wenigen wieder entstehenden jüdischen Gemeinden, die an ihre ermordeten Mitglieder erinnerten. Dieses Gedenken fand kaum im öffentlichen Raum statt, begrenzte sich auf jüdische Friedhöfe und Gemeindezentren, kam aus den Kultusgemeinden wie aus den meist im Ausland lebenden Familien, die Angehörige verloren hatten.

Erst in den 1960er Jahren, im Kontext der Auschwitz-Prozesse, lassen sich erste Spuren eines Gedenkens auf nichtjüdischer Seite feststellen, bevor 1979 die US-Fernseh-Serie „Holocaust“ auf einmal das Thema in die deutschen Wohnzimmer trug. Der Film traf einen Nerv der deutschen Gesellschaft und löste ein breiteres Interesse und eine nun deutlicher einsetzende öffentliche Erinnerungskultur aus. Sie mündete u.a. in einer Vielzahl von Gedenkveranstaltungen und seitdem installierter Gedenkzeichen. Ein erster Höhepunkt des öffentlichen Gedenkens ist rund um den 50. Jahrestag des Novemberpogroms 1988 zu verzeichnen.

Kurz darauf wird eine weitere Zäsur bundesrepublikanischer Gedenkkultur in Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands ausgemacht. Diese zeigt sich primär an den großen KZ-Gedenkstätten oder den langen Diskussionen um die Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Regionale und lokale Erinnerungsprozesse folgen jedoch einer anderen Logik, sind allerdings noch recht wenig vergleichend untersucht.

Vor diesem Hintergrund fragt der Vortrag nach den Entwicklungen der Erinnerungskultur in Unterfranken, nach ihren Akteuren, Phasen und Medien, nach Standard-Entwicklungen und Besonderheiten. Er nimmt auch die jüngsten Projekte in den Blick, den unterfrankenweiten „DenkOrt Aumühle“, der nun wohl am Hauptbahnhof realisiert werden wird, sowie die neue Aufmerksamkeit für geraubte, beschädigte oder zurückgekehrte Sachkultur. Damit flankiert er die kommende Ausstellung „Sieben Kisten mit jüdischem Material. Von Raub und Wiederentdeckung von 1938 bis heute“ im Museum für Franken.

„Wer? Wann? Wie? – Gedenken und Erinnern an den Holocaust in Unterfranken“, Vortrag von Dr. Rotraud Ries, Johanna-Stahl-Zentrum, 10.04.2019, 19:30 Uhr

Sie sind herzlich eingeladen!