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online-Anebote

Bereits seit 2017 konzipiert und realisiert das Team des Johanna-Stahl-Zentrums verstärkt online-Angebote. Denn sie erreichen einen größeren, auch internationalen Nutzer-Kreis. Sie können jederzeit und überall abgerufen werden, lassen sich für die pädagogische Arbeit mit Gruppen verwenden und genauso individuell, nach persönlichen Interessen anwenden. Sie ergänzen als historisches Informationsangebot in hervorragender Weise die Erinnerungskultur.


Die jüdische Geschäftswelt an der Kaiserstraße

Die Kaiserstraße in Würzburg entstand erst in den 1870er Jahren als neue Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt. Hier siedelten sich überdurchschnittlich viele Geschäfte, Firmen, Praxen und Kanzleien jüdischer Besitzer und Besitzerinnen an.

Die WebApp zur Kaiserstraßeexterner Link erzählt anschaulich die Geschichte der Straße und ihrer jüdischen Firmen nach den Hausnummern. Ausgangspunkt ist der Status quo nach dem Adressbuch von 1930. Zu jeder Geschäftsadresse sind die Biographien der jeweiligen Besitzer und Besitzerinnen, z.T. über Generationen vorgestellt, darunter auch mehrere Frauen. Die NS-Verfolgungen zerstörten wie so vieles andere auch den jüdischen Anteil an der Geschäftswelt auf der Kaiserstraße.

Der Erinnerungsweg entlang der Deportationsstrecke

Seit dem Erinnerungsgang entlang der Strecke zwischen dem Sammellokal am Platz'schen Garten und dem Aufgang zum ehemaligen Güterbahnhof in der Aumühle 2011 hat dieser Weg eine besondere Erinnerungsfunktion bekommen. Der Anfang wurde mit einem kleinen Denkmal am ehemaligen Platz'schen Garten markiert, dort und auf der Wegstrecke weisen fünf Stelen mit einem historischen Foto und kurzen Texten auf seine Bedeutung hin.

Die WebApp Stationen zum Deportationswegexterner Link führt Nutzerinnenn und Nutzer ein in die historischen Hintergründe - aus Sicht der Opfer. Jeder Stele ist ein anderes Thema zugeordnet. Fotos, kurze Texte, Übersichten, Quellen, Zeitzeugenaussagen und Videos erlauben einen ganz individuellen Zugang zum Thema.

Der DenkOrt Deportationen vor dem Hauptbahnhof

Zum DenkOrt Deportationen als Gedenkstätteexterner Link für ganz Unterfranken gehört ein umfangreiches historisches Informationsangebot. Es besteht aus den Stelen am DenkOrt, vor allem aber aus den systematisch recherchierten Biographien aller jüdischen Menschenexterner Link, die aus Unterfranken deportiert wurden. Sie werden nach ihren Wohnorten im Jahr 1933 aufgelistet. So kann jeder Nutzer, jede Nutzerin sich nach Menschen in den Orten erkundigen, die sie interessieren.

2 069 Menschen wurden aus Unterfranken deportiert. Sie lebten in 109 jüdischen Gemeinden und etwa 30 weiteren Wohnorten, in denen es keine jüdische Gemeinde mehr gab. Die bestanden oft schon seit Jahrhunderten - eine Geschichte, die die Artikel zu den Gemeinden und Wohnortenexterner Link vorstellen. Vor allem gehen sie aber darauf ein, was in jedem einzelnen Ort ab 1933 passierte und wo seine jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner unter dem Verfolgungsdruck blieben. Denn viele Menschen zogen fort, flohen ins Ausland oder zogen in größere Städte in Deutschland. Shoa-Opfer findet man also nicht nur unter den Personen, die aus dem Ort deportiert wurden, sondern auch unter denen, die den Ort verließen. Alle Shoa-Opfer, die 1933 im Ort gelebt hatten, werden am Ende des jeweiligen Artikels aufgelistet. Dieses Projekt ist noch in Arbeit.

Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken

Viele der genannten Informationen, die sich mobil online nutzen lassen, werden nicht auf der DenkOrt-Seite, sondern in der Biographischen Datenbank jüdisches Unterfrankenexterner Link erfasst. Die Ehrenamtlichen des Vereins "Jüdisches Leben in Unterfranken" arbeiten zusammen mit dem JSZ und den Kolleg:innen vom Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg an diesem großen Projekt. Die Website zum DenkOrt Deportationen wurde hingegen im Rahmen eines Unterrichts-Projekts von einer Klasse der Klara-Oppenheimer-Schule zusammen mit ihrem Lehrer Christoph Zobel programmiert.

Die Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken verfolgt das Ziel, Grundinformationen für alle Juden in Unterfranken im 19. und 20. Jahrhundert zu erfassen und für Recherchen zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören persönliche Daten, Wohnorte und Adressen, Berufe und Grabinschriften. Wenn irgendwie möglich, werden die Quellen der Informationen als Scans zur Verfügung gestellt.

Der Mehrwert der Datenbank liegt in der zentralen Sammlung der Daten, ihrer Verknüpung, der Darstellbarkeit der verwandtschaftlichen Beziehungen und der Integration von Quellen und Grabinschriften.

Seit dem Frühjahr 2017 hat sich das Johanna-Stahl-Zentrum über seine beratende Tätigkeit hinaus der Eingabe und Bearbeitung von Datensätzen für alle 2 069 Opfer der Deportationen aus Unterfranken gewidmet. Für die Deportierten, die fast alle ermordet wurden, wurde eine eigene Gedenkseite eingerichtet. Sie ermöglicht es, nach den Wohnorten der Betroffenen im Jahr 1933 und den einzelnen Deportationen zu suchen. Enthalten sind neben den persönlichen Informationen kurze Biographien. Die Daten der Gedenkseite werden im online-Informationsangebot zum DenkOrt Deportationen täglich aktualisiert angezeigt.

In einem zweiten und dritten Schritt sollen auch die übrigen ca. 6 000 jüdischen Bürgerinnen und Bürger Unterfrankens im Jahr 1933 systematisch in die Datenbank aufgenommen werden - zuerst die Shoa-Opfer und dann die Emigrierten. Denn viele Menschen wurden von außerhalb Unterfrankens deportiert, individuell oder als Kranke und Behinderte verfolgt und ermordet oder begingen aus Verzweiflung Suizid. Und wir kennen noch nicht einmal ihre Anzahl.