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Aufgaben und Ziele - Mission Statement

Der Auftrag des Zentrums war von Anfang an, die reiche jüdische Geschichte und Kultur der Region zu erforschen und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dabei soll es nicht allein um die zwölf Jahre der NS-Herrschaft gehen, sondern um den gesamten Zeitraum der 900-jährigen Präsenz von Juden im Raum Unterfranken.

Als jüdische Region in Deutschland zeichnet sich Unterfranken durch eine besondere Geschichte aus. Im Mittelalter hat dieser Raum bedeutende Gemeinden in den Städten aufzuweisen, die nach den spätmittelalterlichen Vertreibungen durch ein dichtes Netz jüdischen Lebens und gemeindlicher Infrastruktur auf dem Land abgelöst wurden. Diese Dauer und Intensität entfalteten kulturprägende Kraft, es entstand eine spezifische Landjudenkultur. In diesem Milieu entwickelte sich im 19. Jahrhundert die kompromissbereite Würzburger Orthodoxie eines Seligmann Bär Bamberger, der sich auch die heutige Gemeinde Würzburg-Unterfranken verpflichtet fühlt.

Die Überlieferung jüdischen Lebens als Teil unterfränkischer Geschichte zu sammeln, zu erforschen und zu vermitteln, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den aus Deutschland vertriebenen jüdischen Familien und den in Unterfranken lebenden Menschen zu schlagen, ist Aufgabe des Zentrums. Es versteht sich als Ort der Information, der Beratung und Vernetzung, der Forschung und der Erinnerungsarbeit und setzt dabei auf eine Kooperation mit Ehrenamtlichen nach dem Prinzip der citizen science.

Die programmatische Benennung des Zentrums im Jahr 2011 nach Dr. Johanna Stahl, die sich als Volkswirtin, Journalistin, Frauenrechtlerin und in der praktischen Sozialarbeit einsetzte und zu den Opfern der Shoa gehört, inspiriert seine Ziele. Die Namensgeberin fordert dazu auf, sich nicht nur mit den "wichtigen" Männern der jüdischen Geschichte der Region zu befassen. Vielmehr gilt es, die jüdische Gesellschaft in ihrer ganzen Breite und kulturellen Vielfalt einzubeziehen - Frauen, Männer und Kinder, arme Dienstboten und reiche Kaufhausbesitzer, Rabbiner, ledige Mütter und fahrende Schüler, fromme Traditionalisten, skeptische Agnostiker und karrierebewusste Konvertiten. Am Beispiel der jahrhundertelangen jüdischen Geschichte soll das Verständnis für kulturelle Vielfalt der Region geweckt werden, um diese als selbstverständlichen Teil historischer wie aktueller Gesellschaften zu verstehen, zu respektieren und zu schätzen.