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Sammlungen

Quellenerfassung und Sammlung

Die kontinuierliche Erfassung und Sammlung von Quellen und Abbildungen zur jüdischen Geschichte in Unterfranken gehört zu den Kernaufgaben des Zentrums. Sie sollen den gesamten Zeitraum jüdischer Geschichte vom Mittelalter bis heute abdecken und stellen die Grundlage für die wissenschaftliche und didaktische Arbeit dar.

Neben Einzelquellen stehen auch wichtige und verstreute, schlecht zugänglich Bestände im Fokus, die zunächst erfasst werden müssen - wie z.B. die jüdischen Standesregister des 19. Jahrhunderts. Nach und nach sollen Digitalisate dieser zentralen Quellen beschafft oder erstellt werden. Digitalisate der jüdischen Standesregister im Staatsarchiv Würzburg liegen inzwischen vor, ebenso eine Übersicht der verstreuten Bestände. Die Digitalisierung von Quellen aus den Gemeindearchiven in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem steht überwiegend noch aus, nur wenige Quellen für Würzburg sind in Form von Mikrofilmen vorhanden, die sukzessive digitalsiert werden.

Biographische und ortsgeschichtliche Sammlungen

Bei vielen Anfragen oder in den Projekten des Zentrums geht es um biographische Informationen zu jüdischen Familien in Unterfranken. Ein Beispiel dafür ist die Recherche zu den Biographien von Shoa-Opfern für Stolperstein-Verlegungen oder für das historische Informationsangebot am DenkOrt Deportationen. Dieses Material wird systematisch gesammelt. Gleiches gilt für alle Informationen zu einzelnen jüdischen Gemeinden.

Auch die umfangreiche Sammlung von Michael Schneeberger (1949- 2014), die seit 2015 Teil der Bestände des Zentrums ist, enthält überwiegend biographisches und ortsgeschichtliches Material und kann wesentlich zur Erweiterung der verfügbaren Informationen beitragen. Sie hat ihren Schwerpunkt im Landkreis Kitzingen bzw. im Bezirk des jüdischen Friedhofs in Rödelsee. Ihre Ersterfassung ist abgeschlossen, eine Digitalisierung steht noch aus.

Zeitzeugeninterviews

Das Johanna-Stahl-Zentrum hat sich die Aufgabe gestellt, erlebte und erzählte Geschichte zu dokumentieren, jüdische wie auch nicht-jüdische Zeitzeugen und Zeitzeuginnen zu interviewen. Die Audio-Interviews werden im Archiv des Zentrums verwahrt ebenso wie die Video-Interviews, die im April 2012 mit ehemaligen Würzburger Juden und Jüdinnen während ihres Besuchs in der Stadt aufgezeichnet wurden. Achtzehn thematische Ausschnitte aus diesen Interviews (je 3-4 Minuten lang) sind auf der Videostation im Ausstellungsraum des Zentrums zu sehen. Ausschnitte aus fünf Zeitzeugeninterviews mit Menschen, die Michael Schneeberger nahe standen und seine Arbeit begleiteten, waren 2019 in der Ausstellung über diesen bemerkenswerten jüdischen Heimatforscher zu sehen.

Archiv

Das Archiv im Johanna-Stahl-Zentrums umfasst als Originalquellen die Deposita der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken und der dortigen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Diese sind bislang nicht erschlossen, über ihre Nutzung entscheiden die Besitzer. Zu den Deposita gehört auch der größte Teil der Memmelsdorfer Genisa, die zwischen 1979 und 1982 in Hohlräumen unter dem Dach der Memmelsdorfer Synagoge gefunden wurde. Der Fund besteht überwiegend aus religiösen Schriften, enthält aber auch andere Texte sowie einige Alltagsgegenstände. Er wurde durch die Genisa-Forschungsstelle in Veitshöchheim weitgehend verzeichnet.

Kleinere Sammlungen oder Einzelstücke gehören ebenfalls zum Bestand: So etwa Fotos und Dokumente aus der Kaufmannsfamilie Ruschkewitz, die von 1898 bis 1935 in Würzburg das gleichnamige Kaufhaus führte - darunter ein Depositum von Dr. Roland Flade. Teile aus dem Nachlass von David Schuster (1910-1999), dem langjährigen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg, oder das Poesiealbum der Kinderärztin Dr. Klara Oppenheimer (1867-1943) sind ebenfalls Teil der Sammlungen. Das Porträt der Antiquitätenhändlerin Ernestine Seligsberger (1864-1939) von Willy Exner bildete 2015/16 den Ausgangspunkt für eine historische Ausstellung zu ihrer Familie.

Doppelseite aus dem Poesiealbum von Klara Oppenheimer

Poesiealbum von Klara Oppenheimer

© JSZ

Einen weiteren Schwerpunkt des Archivs bilden Sammlungen, die im Rahmen von lokalen Forschungsarbeiten oder Dokumentationen zur jüdischen Geschichte innerhalb wie außerhalb des Zentrums entstanden sind. Dazu gehören etwa Quellen und Unterlagen aus der Arbeit am “Biographischen Handbuch Würzburger Juden 1900 bis 1945” sowie Sammlungen von Fotos meist aus den 1990er Jahren zu mehreren jüdischen Friedhöfen in Unterfranken. Für Dokumentationen eignen sie sich aufgrund ihrer geringen Qualität meist nicht.

Einen Schwerpunkt bildet seit 2015 die umfangreiche Sammlung des jüdischen Heimatforschers Michael Schneeberger (1949-2014), der über 30 Jahre lang die Geschichte jüdischer Familien und Gemeinden vor allem in Franken erforscht hat. Sein Forschungsschwerpunkt lag im Raum Kitzingen. Die Sammlung ist inzwischen nach archivischen Kriterien geordnet und verpackt, ihr Inhalt grob in der Beständedatenbank erfasst.

Auch ein Teil des Nachlasses des israelischen Journalisten Shraga Har-Gil befindet sich im Bestand des Zentrums. Er wurde 1926 als Paul Philipp Freudenberger in Würzburg geboren. Über Jahrzehnte schrieb er als Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Magazine. Die umfangreiche Sammlung seiner Artikel wurde dem Zentrum 2011 von den Erben überlassen, sie ist nach Jahren sortiert.

Wir freuen uns, wenn Sie durch Stiftungen von Fotos, Briefen, Dokumenten oder Erinnerungsgegenständen zum weiteren Ausbau der Sammlung beitragen. Fragen Sie Angehörige oder Verwandte aus der Generation von vor 1939 nach solchen Fotos und Papieren, wenn diese selbst nicht mit dem Internet vertraut sind.

Digitale Bestände

Einen größeren Umfang nehmen inzwischen auch die digitalen Sammlungsbestände an Fotos und Quellen, Audio- und Video-Interviews ein. Sie gelangten meist in konkreten Projektzusammenhängen ins Zentrum oder wurden dafür erstellt. Aufgrund der knappen Ressourcen konnten diese Bestände noch nicht verzeichnet werden.