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Willkommen

Das Johanna-Stahl-Zentrum dient als regionales Kompetenzzentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken. Sein Themengebiet sind 900 Jahre jüdische Geschichte in der Region. Aktuell befasst es sich besonders mit der Erinnerungskultur für die jüdischen NS-Opfer. Auch die Fachbibliothek des Zentrums zeichnet sich durch ihr Alleinstellungsmerkmal in der Region aus.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind das Zentrum und die Ausstellung "Der Spurenfinder" geschlossen. Ausstellungen und Veranstaltungen werden bis auf Weiteres nicht stattfinden. Die Mitarbeiterinnen arbeiten zum Teil im Home-Office.

Per mail ist das Team des Zentrums jedoch jederzeit zu erreichen. Bitte verwenden Sie dafür die persönlichen mail-Adressen (s. Team), da wir von außen nicht auf das jsz-Postfach zugreifen können. Bei Bedarf rufen wir gerne zurück.

Die Eröffnung des "DenkOrts Deportationen 1941 - 1944" am 21. April 2020 ist abgesagt. 

Das Johanna-Stahl-Zentrum ist über Pessach (09.-16. April 2020) geschlossen.

Mme. Kaulla und ihre Enkelinnen in Würzburg, Vortrag, 02.09.2018

Der europäische Tag der jüdischen Kultur steht in diesem Jahr unter dem Motto „Storytelling“. Wir laden aus diesem Anlass zu einem Vortrag von Dr. Rotraud Ries ein. Sie wird die besondere Geschichte dreier jüdischer Frauen vorstellen, die die unterschiedlichen Rollen und Möglichkeiten von Frauen im 18. und 19. Jahrhundert zeigen.

Madame Kaulla (1739-1809) war eine eindrucksvolle Erscheinung, eine zielstrebige Geschäftsfrau und die bedeutendste Unternehmerin Südwestdeutschlands in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Als junge, unverheiratete Frau lernte sie bei ihrem Vater das Geschäft und knüpfte Geschäftskontakte zu den kleineren Fürstenhöfen im Raum südlich von Stuttgart. Als ihr Vater früh starb, übernahm sie sein Geschäft - und den Pferdehandel ihres Mannes gleich dazu. Sie ernährte die ganze Großfamilie.

Diese Führungsrolle im Familiengeschäft hatte sie bis zu ihrem Tod 1809 inne. Die Familie übernahm ihren Vornamen, mit dem sie als Geschäftsfrau unterzeichnete, als Familiennamen. Als ihr Bruder Jakob alt genug war, führte sie ihn ins Geschäft ein und er übernahm die Außenvertretung der Firma. Doch jeder wusste, dass sie die Chefin war. Die Familie stieg hoch hinauf, es gelang ihr letztlich, sogar in Stuttgart Fuß zu fassen, für den dortigen Hof zu arbeiten und eine Bank zu gründen.

Madame Kaulla war eine Frau mit großen Verdiensten und hoher Reputation. Doch wie ehrt man so eine Frau in der titelverliebten Zeit um 1800? Für Frauen war so etwas nicht vorgesehen. Der Vortrag wird sich mit der Biographie von Madame Kaulla befassen und damit, wie ihre Familie, wie die jüdische und die nichtjüdische Gesellschaft ihr die Ehre erwiesen. Es wird aber auch um zwei ihrer Enkelinnen gehen, die nacheinander mit dem Würzburger Bankier und Unternehmer Joel Jakob von Hirsch verheiratet waren. Ihre Rolle war eine ganz andere als die ihrer Großmutter und es wird zu fragen sein, warum das so war, welche Handlungsspielräume sie besaßen und was das über die Zeit aussagt, in der sie lebten.

Vortrag von Dr. Rotraud Ries, Frauengeschichten: Madame Kaulla und ihre Enkelinnen in Würzburg, So., 02.09.2018, 19 Uhr, Johanna-Stahl-Zentrum

Abbildung: Madame Kaulla, Kopie eines Gemäldes von Johann Baptist Seele, C. Berger, um 1805, Öl auf Lw., Landesmuseum Württemberg, Stuttgart