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Jüdische Friedhöfe in Unterfranken

Friedhöfe sind existentiell notwendig für ein jüdisches Leben - dort, wo es Juden gibt, befinden sich auch Friedhöfe in der Region. Umgekehrt kann man von Friedhöfen auf jüdische Besiedlung schließen.

Im Mittelalter gehörten sie zur Ausstattunge der städtischen Gemeinden. Jüdische Bewohner des Umlandes nutzten sie mit. Dies war in Würzburg so, aber vermutlich auch in Miltenberg, Kitzingen und Schweinfurt. Keiner dieser Friedhöfe blieb erhalten.

Die Verdrängung und Vertreibung der Juden aus den Städten veranlasste nach 1350 die Gründung neuer Friedhöfe auf dem Land. Hier bestatteten die Gemeinden der ganzen Umgebung ihre Toten. Dazu gehören u.a. die Friedhöfe in Rödelsee und Kleinsteinach. Doch vor allem die Entstehung vieler weiterer jüdischer Siedlungen auf dem Land im 16. Jahrhundert veranlasste Friedhofsgründungen oder -wiederbegründungen: So in Miltenberg, Reistenhausen, Brückenau, Rödelsee, Kleinbardorf, Schwanfeld, Pfaffenhausen und Laudenbach. Im 17. Jahrhundert folgten Eibelstadt, Aub, Ebern, Gerolzhofen, Allersheim und Euerbach. Auch im 18. Jahrhundert entstanden noch Gebietsfriedhöfe, so in Burgpreppach, Weimarschmieder, Limbach, Neustädtles, Kleinheubach und Schweinheim Am Erbig bei Aschaffenburg.

Seit dem 19. Jahrhundert mit seiner veränderten Rechtslage setzte eine Phase lokaler Neugründungen ein, die die Friedhofslandschaft stark differenzierten. Es waren vor allem neu oder wieder entstehende städtische Gemeinden, die nun wie andere gemeindliche Infrastruktur auch städtische Friedhöfe einrichteten. Zu ihnen gehören z.B. Kissingen, Heidingsfeld, Schweinfurt, Würzburg und Bad Neustadt. Die Kitzinger Gemeinde hielt hingegen an ihrem alten Friedhof in Rödelsee fest. Doch auch in kleineren oder mittleren Gemeinden entstanden neue Friedhöfe.

Viele dieser Friedhöfe sind erhalten geblieben, doch nur ein Teil ist bislang im Druck oder online erfasst oder sogar mit den Inschriften dokumentiert.

Kooperation mit dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut

Das Salomon Ludwig Steinheim-Institut (externer Link) in Essen (früher Duisburg) ist die Institution in Deutschland, die sich am stärksten in der wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Friedhöfe profiliert hat. Mehr als 24.000 Steine sind inzwischen in der epigraphischen Datenbank epidat (externer Link) erfasst.

Abgesehen von den dort gegebenen Recherchemöglichkeiten bieten die Kollegen des Instituts unter dem Titel Spurensuche (externer Link) auch Laien eine Einführung zum Verstehen jüdischer Sepulchralkultur und zum Lesen der Inschriften. Sie darf nicht nur von Lehrern und Schülern benutzt werden …

Grabstein vom jüdischen Friedhof in Heidingsfeld, Aufnahme von 1996

1996

Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Heidingsfeld, Aufnahme von 2010

2010

Grabstein vom jüdischen Friedhof in Heidingsfeld, Aufnahme von 1996

1996

Grabstein vom jüdischen Friedhof in Heidingsfeld, Aufnahme von 2010

2010


Die Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Heidingsfeld (externer Link) hat das Steinheim-Institut mit den ersten 158 Steinen in Kooperation mit dem Johanna-Stahl-Zentrum durchgeführt. Die Fotografien des Fotografen Bert Sommer (2010) belegen im Kontrast zu den alten Fotos (Dokumentationszentrum, 1996), welcher Mehrwert für die Lesbarkeit der Steine durch eine professionelle Dokumentation zu erzielen ist: Am Bildschirm sehen die Bearbeiter mehr als vor dem Grabstein.