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Erinnerungskultur

An vielen Orten in Unterfranken findet sich inzwischen ein Bewusstsein für die Bedeutung der Erinnerungskultur und das Gedenken an die ehemaligen jüdischen Bewohner. Die Region ist gekennzeichnet durch ihre ehemals hohe Dichte an jüdischen Gemeinden. Es werden Stolpersteine verlegt oder es wird auf andere Weise an die deportierten und ermordeten Menschen erinnert. Veranstaltungen zu verschiedenen Gedenkterminen sind üblich. Denkmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten und Museen befinden sich an oder in Gebäuden, die einmal von den Jüdinnen und Juden des Ortes genutzt wurden.

In Würzburg mahnt der Erinnerungsweg zwischen Platz'schem Garten und dem ehemaligen Güterbahnhof Aumühle und informiert über die Deportationen aus der ganzen Region. Am DenkOrt Deportationen beteiligen sich viele Kommunen mit einem Gepäckstück, die 1932/33 noch eine jüdische Gemeinde hatten. Weitere tragen zur Finanzierung des DenkOrts bei, darunter an vorderster Stelle die Stadt Würzburg und der Bezirk Unterfranken.

Über die Jahrzehnte haben sich die Schwerpunkte der Erinnerungsarbeit verschoben: Standen in den 1980er Jahren eher die Orte und steinernen Zeugnisse im Vordergrund, so nehmen inzwischen die Menschen mit ihren Biographien einen zentralen Stellenwert ein. Das Johanna-Stahl-Zentrum und sein Team tragen hierzu bei, indem sie in Kooperation mit dem DenkOrt-Verein und mit dem Verein jüdisches Leben in Unterfranken und seiner Biographischen Datenbank eine Vertiefung, Systematisierung und Strukturierung des Wissens über die jüdische Bevölkerung und ihr Schicksal seit 1933 ermöglichen.

Rotraud Ries hat sich als Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums auch wissenschaftlich mit der Erinnerungskultur befasst. Dies gilt besonders für ihren Beitrag: Erinnern und Gedenken in Unterfranken. Zur Gegenwart jüdischer Vergangenheit in einer ländlichen Region, in: "Sieben Kisten mit jüdischem Material". Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute, Berlin/ Leipzig 2018, S. 24-39.